Die Geschichte von Nitinol
Die Geschichte von NiTinol ist noch sehr "jung"
NiTinol wurde 1962 in einem Labor der US-Amerikanischen Marine (US-Naval
Ordnance Laboratory) erfunden. Sie suchten damals für die Verbesserung
ihrer Unterseeflotte nach einem antimagnetischem Metall, daß enorm hart
und korrosionsfest ist. Durch das Zusammenschmelzen von ca. 55% Nickel
und 45% Titanium ist eine Legierung entstanden, die außerordentliche,
bis dahin nicht bekannte, Charakteristiken aufwies.
Hier eine kleine Anekdote dazu:
Bei dem Beplanken des Buges eines Unterseebootes wurden NiTinol-Platten
mit Hilfe von Nieten befestigt. Einer der Arbeiter versuchte die Form
dieser Platten besser an den Untergrund anzupassen und dies mit Hilfe,
wie bei normalem Stahl üblich, durch erhitzen. Hier passierte genau das
Gegenteil des Gewünschten. Die NiTinol-Platten wurden in ihre rrsprüngliche
Form zurück geformt und zogen dabei Nieten aus dem Bug. Man spricht sogar
davon, daß hierbei der Arbeiter nur durch Glück einer massiven Verletzung
entgangen ist. Dies, so sagt man, war die Entdeckung des enormen Formgedächtnisses
(Shake-Memory) von Nickel-Titan. Der Name NiTinol ist auch daraus entstanden.
Ni = Nickel
Ti = Titanium
N = Naval
O = Ordnance
L = Laboratory
Durch einen Zufall ist eine Verbindung mit einem der Physiker der Navi
und Dr. Andreasen der Universität von Iowa zustande gekommen. Nachdem
der Wunsch nach Draht-Produkten mit höherer Elastizität und geringerer
Kraft seit langem bestand, ergab sich hier ein idealer Anwendungsbereich
dieser neuen Nickel-Titan-Legierung.
Superelastizität oder Pseudoelastizität
Es besteht hier grundsätzlich eine Diskrepanz in der Auffassung welcher
der Ausdrücke korrekt ist. Nach physikalischer Definition ist Nickel-Titan
nicht elastisch, sondern pseudoelastisch. Es ist zu vermuten, daß durch
Übersetzungsfehler zunächst aus dem Japanischen (Prof. Miura) über das
Englische und unter Einbeziehung des Werbeschlagwortes "Superelastizität"
dieser Ausdruck im Bereich der modernen Nickel-Titan-Materialien eingebunden
wurde.
Superelastizität war zunächst ein Marketingwort (S.E.) für eine neue Generation
von Nickel-Titan, kalt geformt, mit höherer Elastizität. Es ist jedoch
anzunehmen, daß aufgrund allgemeiner Übung das Wort Superelasticity oder
Superelastizität in der Literatur für die modernen Drähte der Nickel-Titan-Palette
gewählt wird.
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Unter dem Namen NiTinol
Aktiv Arch wurde dieses Produkt von Unitek Mitte der 70er Jahre auf den
Markt gebracht. Dr. Andreasen gilt als der "Urvater" NiTinol im Bereich
der Kieferorthopädie. An der Universität von Iowa sind diese Versuche
Anfang der 70er Jahre begonnen worden. Über einen längeren Zeitraum hinweg
gab es nur dieses eine Produkt, das aber nur einen geringen Teil der excellenten
Eigenschaften von Ni-Ti Drähten aufwies.
Die hervorgehobenen
Eigenschaften waren:
- im Vergleich zu
Stahl und anderen stahl-ähnlichen Legierungen extrem große Flexibilität
- der hohe Grad an
Deflektionsfähigkeit, ohne permanente Deformierung
- das extrem geringe
Korrosionspotential und die damit verbundene Biokompatibilität
Trotz des extrem hohen
Nickelgehaltes (ca. 50 %) ist das Korrosionspotential von Nickel-Titan
erheblich geringer als bei den Stainless-Steel (St.St.) = Edelstahl-Legierungen,
die bei einem Nickelgehalt von 8 bis 14 % ein sehr viel höheres Korrosionspotential
aufweisen. Die Literatur zeigt, dass Ni-Ti nur in sehr geringem Umfang
Nickel-Ionen freisetzt. Nickel-Allergien in Folge von Behandlungen mit
Ni-Ti sind unseres Wissens nach nicht bekannt.
Nitinol ist ein ähnlicher Markenname geworden wie "Tempo" für Papiertücher
u.s.w.
Aber
inzwischen heißt es:
>NiTi ist nicht NiTi<
> Nitinol ist nicht Nitinol<
>Superelastisch ist nicht superelastisch<
Spätestens mit den
Forschungen von Prof. Miura an der Universität von Tokio Anfang der 80er
Jahre an dem Japanese-NiTi, der dann unter dem Namen "Sentinol", später
"Sentalloy" von Tomy in Japan produzierte NiTi-Draht der neuen Generation
ist ein neues Zeitalter auch für die festsitzende Kieferorthopädie angebrochen.
NiTinol und die Straight-Arch oder Straight-Wire-Techniken waren eine ideale
Symbiose. Die modernen "superelastischen" NiTi-Legierungen erlauben völlig
neue Behandlungsmethoden. Hat NiTinol und die ersten sogenannten kaltgeformten
Kopien noch eine fast geradlinig verlaufende Kraftlinie, so weisen die
guten modernen NiTi-Bögen und -Federn eine fast gleichmäßig verlaufenden
Kraftlinie auf, das heißt innerhalb der Arbeitsbreite steigen oder sinken
die Kräfte, die der Bogen ausübt, nur minimal. Man spricht hier von einem
sogenannten Plateau.
Diese neue Generation von Bögen und Federn ermöglichen die Anwendung von
bisher nicht bekannten geringsten Kräften.
Mit Druckfedern, im Kraftbereich
von unter 50 Gramm, werden erfolgreich Molaren distalisiert, Mittellinien
verschoben.
"Biologische Kraftanwendung" ist das Schlagwort für diese
Produkte.
Artikelbezeichnungen wie thermisch, thermo memory, superelastisch, lowforce
high ... alle diese Ausdrücke lassen nur schwer einen Schluß auf die eigentlichen
Eigenschaften dieser Bögen zu.
In einigen Verkaufsunterlagen finden Sie noch Abbildungen von Kräftediagrammen,
aber in den meisten Fällen enthalten diese Diagramme keinerlei Angabe
über die Höhe der Kraft.
Es ist wichtig, daß NiTi-Bögen der modernen Generation folgende Eigenschaften
aufweisen.
- Je nach Verwendungszweck
geringe und genau kalkulierbare Kräfte.
- Eine Transformations-Temperaturschwelle
**1, die im praktikablem Bereich liegt. Bögen, die erst bei Temperaturen
über 50°C in den sogenannten superelastischen Bereich gelangen, oder
Bögen, die zwar superelastisch sind, aber deren Kraftbereich bei 500
oder mehr Gramm liegen, sind für eine ganze Reihe von Behandlungsabschnitten
nicht zu empfehlen.
Zusatzbemerkung:
Wir haben in den vergangenen 12 Jahren immer versucht, über das "Medium" Nitinol, Ni-Ti ..... mehr Klarheit zu schaffen. Wir haben dazu beigetragen, daß eine Kursreihe "Moderne Materialien" mit Schwerpunkt Nickel-Titan "geboren" wurde, die heute immer noch so aktuell wie vor 8 Jahren ist. Auch haben wir viel dazu beigetragen, daß an vielen Universitäten in Deutschland und Österreich zahlreiche Untersuchungen über Nickel-Titan durchgeführt wurden. Hier hat der deutschsprachige Raum einen klaren Vorteil gegenüber den USA, wo meist nur Fallbeispiele in der Literatur gezeigt wurden. Bei vielen Untersuchungen wurden auch unerwartete neue Erkenntnisse gewonnen und wir sind sicher, daß wir auch in den nächsten Jahren noch eine Reihe von Überraschungen mit Ni-Ti erleben werden.
Wenn noch zu Zeiten eines Dr. Gianelli, Boston, mit Magneten mit ca. 300 bis 350 gr. Anfangskräften zur Distalisierung von Molaren gearbeitet wurde, so werden diese Aufgaben heute teilweise mit gutem Erfolg mit 50 gr. "superelastischen" Ni-Ti Druckfedern erledigt und es laufen Versuche, die selben Aufgaben mit 30 gr. Ferdern durchzuführen.
Wie gering die Kräfte sein können, um gute Ergebnisse zu erreichen, ist noch nicht schlüssig "erforscht", aber das exessive hohe Kräfte zu Problemen führen können, darüber wird heute oft diskutiert.
**1 Übergang von Martensit in Austensit und umgekehrt.
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